Informativer Vortragsabend im forum M zum Thema Altersmedizin

Alt werden will jeder, alt sein keiner“ – so lautete der Vortragstitel von Univ.-Prof. Dr. med. Cornelius Bollheimer, der am 17. Oktober 2017 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Medizin im Dialog“ der Uniklinik RWTH Aachen Patienten, Angehörige und Interessierte über das Thema Altersmedizin informierte. Doch was genau heißt „alt sein“ und was ist die Aufgabe eines Altersmediziners?

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19.10.2017

Eine 84-jährige Dame fühlt sich abgeschlagen, ist kurzatmig, eingeschränkt bewegungsfähig und hat keinen Appetit. Sie wird mit der Diagnose Lungenentzündung ins Franziskushospital Aachen eingeliefert. Dort kommt sie in die Obhut des Altersmediziners Univ.-Prof. Dr. med. Cornelius Bollheimer. Gemeinsam mit seinem Team der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie kümmert er sich um die optimale Therapie für die betagte Dame, eine geriatrische Patientin. Was man unter einem geriatrischen Patienten versteht, erklärt der Experte wie folgt: „Der betagte Mensch leidet meist an mehr als einer – oft chronischen – Krankheit, wir sprechen von Multimorbidität. Wenn er zu uns ins Krankenhaus kommt, addiert sich eine akute Problematik hinzu. Sei es durch Verschlechterung einer schon bestehenden oder durch eine neue Krankheit. Viele Stoffwechselvorgänge laufen im Alter langsamer ab. Auch bei der Einnahme von Medikamenten leiden Senioren häufiger als junge Menschen unter unerwünschten Nebenwirkungen. Ihre Behandlung erfordert einen ganzheitlichen Ansatz.“ Umgekehrt bedeutet das: Nicht jeder alte Mensch ist ein geriatrischer Patient. Ein fitter Siebzigjähriger, der wegen einer Magenblutung einige Tage ins Krankenhaus muss, ist kein Fall für die Altersmedizin.

Veränderte Patientenstruktur 2030

In der Städteregion Aachen leben heute etwa 565.000 Menschen, im Jahr 2030 werden es rund 556.000 sein. Parallel dazu wird die Altersgruppe der über 65-Jährigen von heute knapp 100.000 auf über 150.000 steigen. Dadurch verändern sich auch die Patientenstrukturen. Aus diesem Grund ist an der Uniklinik RWTH Aachen der Lehrstuhl für Altersmedizin gegründet worden. Er ist das Herzstück eines neuen interdisziplinären, universitären Zentrums für Altersmedizin, das die Uniklinik gemeinsam mit dem Franziskushospital Aachen aufbaut. Ziel ist es, erstmals für die Region eine ganzheitliche Altersmedizin anzubieten und gleichzeitig Forschung auf diesem wichtigen Themenfeld zu betreiben. Prof. Bollheimer: „Die Geriatrie als universitäres Fach ist in Deutschland, verglichen mit anderen europäischen Ländern, noch eine junge Disziplin. Die hohe Nachfrage nach geriatrisch geschulten Kolleginnen und Kollegen belegt, dass ein starker Nachholbedarf besteht. Ich sehe hierzu in Aachen beste Bedingungen.“  Die Aachener Professur „Altersmedizin“ ist eine von nur elf Lehrstühlen in Deutschland und erforscht medizintechnische Lösungen für geriatrische Patienten. Dieses neue Konzept fördert die Robert Bosch Stiftung mit insgesamt 1,25 Millionen Euro.

Ausgewiesener Experte auf seinem Gebiet

Im April 2016 ist Univ.-Prof. Dr. med. Cornelius Bollheimer auf den Lehrstuhl berufen worden. Er ist Experte auf dem Gebiet der Altersmedizin. Schwerpunkte des Internisten, Geriaters und Endokrinologen/Diabetologen sind die Zusammenhänge und Wechselwirkungen von Alter und Adipositas. Zudem beschäftigt sich der Stoffwechselexperte mit dem Altersdiabetes sowie der Rolle von Hormonveränderungen im Alter.

 

Den Vortrag von Prof. Bollheimer können Sie hier einsehen. Eine Vervielfältigung ist nicht gestattet.